Das Kirchenjahr

Das Kirchenjahr

Unser Kirchenjahr ist das Ergebnis einer langen Entwicklung. Dessen Keimzelle ist Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Dieses Ereignis hat so grundlegende Bedeutung, dass der Sonntag, eigentlich erster Tag der Woche, zum christlichen Feiertag wurde; jeder Sonntag ist eigentlich ein kleiner Ostertag.

Weihnachtskreis

Das Kirchenjahr beginnt mit dem Weihnachtskreis, und zwar eröffnen diesen die vier Adventsonntage. Das lateinische “adventus” heißt Ankunft und bezieht sich auf Jesus, der einerseits in seiner Geburt in Bethlehem in unserer Welt angekommen ist, andererseits angekündigt hat, zum Weltgericht wiederzukommen. Eigentlich ist die Adventzeit eine Zeit der Vorbereitung und der Buße, und wurde in früheren Zeiten als Fastenzeit begangen.

Das Fest der Geburt Christi wurde ursprünglich am 6.Jänner gefeiert, in unserem Festkalender “Epiphanias” (Erscheinung der Herrlichkeit Gottes auf Erden) genannt, ab Mitte des 4. Jahrhunderts in Rom aber auf der 25.Dezember verlegt, da die Römer an diesem Datum das Fest des unbesiegbaren Sonnengottes feierten und mit dem Siegeszug des Christentums dieses heidnische Fest nun mit neuem Inhalt gefüllt wurde. Dem Geburtsfest geht die Christnacht voraus, die “Heilige Nacht“, im deutschsprachigen Raum erstmals Mitte des 16.Jahrhunderts mit “Weihnacht” (geweihte Nacht) bezeichnet.

Die Sonntage nach Epiphanias haben in der evangelischen Tradition das Wirken Jesu von seiner Taufe, über verschiedene Wundertaten bis hin zu seiner Verklärung zum Thema.

Osterkreis

Zentrum und Ziel des Osterkreises ist Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Ostern ist ein so genanntes “bewegliches Fest”, das heißt der genaue Termin variiert von Jahr zu Jahr: das altkirchliche Konzil von Nicäa setzte als Ostertermin den ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond fest.

Der Osterkreis wird jedoch eingeleitet durch drei Vorfastensonntage: Septuagesimae, (70. Tag bis Ostern) Sexagesimae (60. Tag) und Estomihi (Name nach dem Psalmvers “Sei mir ein starker Fels…” in lateinischer Fassung). Am Sonntag nach dem Aschermittwoch beginnt nun die Passionszeit (Leidenszeit, Fastenzeit). In dieser Zeit des Kirchenjahres wird des Leidens und der Hingabe Christi gedacht, laute Veranstaltungen mit Tanz und übermütigem Feiern sollte in dieser Zeit unterbleiben. Die Sonntage in der Passionszeit sind fast alle nach den lateinischen Anfangsworten des für den jeweiligen Sonntag traditionellen Psalms genannt:

  • Invocavit: “Er ruft mich an, und ich erhöre ihn.” (Psalm 91,15)
  • Reminiscere: “Gedenke, o Herr, deiner Barmherzigkeit” (Psalm 25,6)
  • Oculi: “Meine Augen sehen stets auf den Herrn.” (Psalm 25,15)
  • Laetare: “Freuet euch mit Jerusalem!” (Jesaja 66,10)
  • Judica: “Schaffe mir Recht, o Gott, und führe meine Sache gegen…” (Psalm 43,1)

Der Palmsonntag leitet die Karwoche ein, (althochdeutsch bedeutet “kara” soviel wie Wehklage, Trauer und Leid) die über Gründonnerstag (nicht von der Farbe grün sondern von “greinen” = weinen im Garten Gethsemane nach der Einsetzung des Abendmahles) und Karfreitag (Jesu Kreuzigung) zum Karsamstag (Tag der Grabesruhe) führt.

An das Osterfest schließt die fünfzigtägige Freudenzeit an. Die Sonntage tragen wiederum lateinische Namen:

  • Quasimodogeniti: “nach der Art der neugeborenen Kinder.” (1.Petrusbrief 2,2)
  • Misericordias Domini: “Der Barmherzigkeit des Herrn ist die Erde voll.” (Psalm 33,5)
  • Jubilate: “Jauchzet Gott, alle Lande!” (Psalm 66,1)
  • Kantate: “Singet dem Herrn ein neues Lied!” (Psalm 99,1)
  • Rogate: Der Sonntag des Gebets
  • Vierzig Tage nach Ostern – immer ein Donnerstag – gedenken wir der Himmelfahrt Christi.
  • Exaudi: “Höre, Herr, meine Stimme!” (Psalm 27,7)

Pfingsten (vom griechischen pentecoste, was soviel heißt wie “der Fünfzigste”; gemeint ist der fünfzigste Tag nach Ostern) feiert das Fest der Ausgießung des Heiligen Geistes, den Geburtstag der Kirche und beschließt den Osterfestkreis.

Trinitatiskreis

Der Trinitatiskreis steht nun als festlose Jahreshälfte des Kirchenjahres den beiden erwähnten Kreisen entgegen.

Das Trinitatisfest, am ersten Sonntag nach Pfingsten ist ein relativ junges Fest, welches das Geheimnis der Dreieinigkeit Gottes in Vater, Sohn und Heiligem Geist zusammenfasst.

Auch wenn nun in den Wochen nach dem Sonntag Trinitatis keine kirchlichen Hauptfeste zu finden sind, gibt es doch einige Feiertage wie:

  • Erntedankfest – meist am ersten Sonntag im Oktober,
  • Reformationsfest – am 31.Oktober oder am Sonntag darauf.

Die letzten Sonntage des Kirchenjahres weisen auf den Tod, die Vergänglichkeit und die Gerichtssituation hin und gipfeln im Ewigkeitssonntag, der die Blicke der feiernden Gemeinde tröstlich und in freudiger Erwartung auf Gottes kommende Welt richtet.